Hallöchen, ich hab gerade das Bedürfnis einfach mal wieder drauf los zu schreiben.
Ich glaube ich habe einen Rückfall? Alleine das zu schreiben kostet mich einiges an Überwindung - es macht es irgendwo realer. Eine richtige Definition für was ein Rückfall ist hab ich nicht. Ich hab eine ganz ganz grobe, die ich gerne und oft verändere und anpasse. Es gibt ein Rückfallmodell für Suchterkrankungen, bei dem es vor dem eigentlichen Rückfall mehrere kleine Rückfälle gibt, bei denen man noch seine Ressourcen sammeln kann um einem "richtigen" Rückfall entgegen zu wirken. Den "richtigen" Rückfall hab ich für mich bisher als einen Rückfall in alte Denkmuster und Gefühle definiert und die kleinen Rückfälle als Ausrutscher. Heißt also, dass ich jahrelang meine Quasi-Rückfälle als Ausrutscher betrachtet habe, damit ich in meiner Vorstellung clean bleibe und keinen grün-rot Kalendar mehr führen muss. Von zweitausendfünfzehn bis neunzehn hatte ich nur eine Ausrutscherphase, die in die Nähe meiner Rückfalldefinition kommt. Bis zu diesem Jahr jedenfalls. In diesem Jahr hatte ich bisher mehr Ausrutscher als in den Jahren davor zusammen. In einer anderen Qualität, aber dennoch.
Klar, in den vergangenen Jahren gab es auch oft Phasen, in denen der Gedanke/die Vorstellung mir wehzutun sehr präsent und allgegenwärtig war. Wie so ein Gedanke ohne konkrete Handlungsabsicht, der sich permanent wieder aufdrängte - so ein süffisanter "Schau mal hier"-Gedanke. Momentan hab ich auch so eine Phase - seit locker vier Monaten schon - nur dass ich sie nun umsetze. Nicht ganz so wie früher, sodass man sich nur auf diese eine Handlung konzentriert und sein Denken einengt, sonder viel mehr beiläufig. Fehler gemacht / Erinnerung an früheren (kleinen) Fehler / blöder Gedanke - *kratz/viel zu brutal durchs Haar fahr/absichtlich wo gegen laufen* Reaktion. Das nenne ich gerade Alltagsausrutscher, nur geht das auch so weit bis ein Gefühl von "ich habe gerade keine Kontrolle" aufsteigt und ich zufällig einen Schlüssel in der Hand habe. Bis es eigentlich gar nicht mehr zufällig ist. Bisher konnte ich dann argumentieren "jaaa es war ja nur ein Kratzen, ein Schlüssel. Nicht so schlimm" In meiner Definition, als ich tatsächlich ziemlich gut klargekommen bin, war das alles andere als "nicht so schlimm" und hat durchaus meine Definition von selbstschädigenden Verhalten erfüllt. Je nach Situation passe ich sie an, sodass ich mir nicht eingestehen muss, dass ich gerade Scheiße baue. So damit ich mir diese Tatsache so fern es auch nur geht aus dem Bewusstsein halten kann.
Mittlerweile erfülle ich selbst meine neusten veränderten Kriterien und bin auch wieder bei Silber Es macht mir Angst, dass ich langsam keine Ausreden mehr habe. Und ich habe Angst vor den Konsequenzen, wenn ich mir einen Rückfall endlich eingestehe. Ich bin wieder zu sehr im Kopf. Denke seitwärts und quer, rückwärts und vorwärts, hoch und runter. Und da ist so viel Selbstzweifel und Unsicherheit. Und Anforderungen denen ich nicht gerecht werde. Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Immer wenn die Unsicherheit ein bestimmtes Ausmaß erreicht, steigt meine Anspannung schlagartig an und ich werde impulsiver. Ich weiß nur nicht wie ich das stoppen kann.
Nachtrag: Es fühlt sich nicht gut an. Es fühlt sich wie innehalten an. Ausrutscher hatte immer was von "ich beweg mich da weg". Und jetzt sitz ich da und beweg mich aktuell nicht weg.
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